Fahrtechnik und Fahrphysik Fahrbahn lesen 4.1 Fahrbahn lesen Motorradfahrer haben keinen doppelten Boden. Was ein Auto mit vier Rädern und ABS vielleicht noch ausgleicht, kann für einen Motorradfahrer lebensgefährlich werden. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass du nicht nur auf den Verkehr achtest, sondern  die Fahrbahn aktiv liest  – wie ein Buch. Denn der Zustand der Fahrbahn, ihre Oberfläche, Neigung und mögliche Verschmutzungen sagen dir frühzeitig,  wo du vorsichtig sein musst und wie du dein Fahrverhalten anpassen solltest. „Fahrbahn lesen“ bedeutet also: Risiken erkennen, bevor du sie spürst – nicht erst, wenn du rutschst. Quelle: freepik.com 1. Was bedeutet „Fahrbahn lesen“? „Fahrbahn lesen“ heißt:  die Beschaffenheit der Straße und ihre Umgebung bewusst wahrnehmen und interpretieren , um Gefahren frühzeitig zu erkennen. Dabei geht es um: Zustand der Oberfläche (z. B. glatt, griffig, beschädigt) Sichtbare Veränderungen (Pflaster, Bitumen, Fahrbahnmarkierungen) Umgebungseinflüsse (z. B. Schatten, Laub, Regen, Baustellen) Verlauf der Fahrbahn (z. B. Neigungen, Kuppen, Kurveneingänge) Merksatz: „Wer die Straße versteht, kommt sicher ans Ziel.“ Quelle: freepik.com 2. Wichtige Fahrbahnmerkmale und deren Bedeutung Fahrbahnmerkmal Gefahr Richtiges Verhalten Glänzende Bitumenstreifen Sehr rutschig bei Nässe Gerade darüberfahren, nicht bremsen oder lenken Fahrbahnmarkierungen (z. B. Pfeile, Zebrastreifen) Geringer Grip, rutschig bei Regen Möglichst nicht beim Bremsen oder Schräglage berühren Splitt, Sand, Laub Sofortiger Traktionsverlust, Schleudergefahr Geradeaus fahren, keine plötzlichen Manöver Schlaglöcher, Risse Gefahr für Fahrwerk, Sturzgefahr bei Ausweichen Linie frühzeitig ändern, weich ausweichen Kopfsteinpflaster Erschwerte Kontrolle, Vibrationen Geschwindigkeit anpassen, ruhig lenken und bremsen Gullideckel, Kanaldeckel Glatt, bei Nässe gefährlich Gerade überfahren oder vermeiden Fahrbahnkanten, Randsteinabsätze Beim Ausweichen oder Wenden hohe Sturzgefahr Abstand halten, schräg oder bewusst überwinden Quelle: freepik.com 3. Einfluss von Witterung und Umgebung Bestimmte Straßenbereiche werden durch äußere Umstände besonders gefährlich – auch wenn sie zunächst harmlos aussehen: a) Schattenbereiche: In Kurven oder unter Bäumen bleibt Feuchtigkeit länger. Bei Herbst oder Frühjahr: Eis, Laub oder Moos → kaum sichtbar. b) Regen nach langer Trockenheit: Ölreste, Abrieb und Staub vermischen sich → rutschiger Film. Besonders gefährlich in den ersten Minuten nach Beginn des Regens. c) Landwirtschaftliche Nutzflächen: Gülle, Erde, Matsch auf der Straße – meist nicht angekündigt. Sturzgefahr durch Schmierfilm, besonders in Kurven oder bei Überholmanövern. Merksatz: „Was du nicht siehst, kann dich trotzdem stürzen.“ Quelle: freepik.com 4. Blickführung und Linienwahl Ein entscheidender Bestandteil des Fahrbahnlesens ist die Blickführung. Wer zu spät erkennt, was vor ihm liegt, kann nicht mehr sinnvoll reagieren. Richtiges Verhalten: Blick weit voraus: 6–8 Sekunden in die Zukunft schauen. Nicht starr auf das Vorderrad blicken – das nimmt Reaktionszeit. Linie wählen, die Grip bietet und Hindernisse meidet (z. B. um Laub oder Bitumen herumfahren). Schräglage, Bremsen und Ausweichmanöver nicht gleichzeitig – besonders auf rutschigem Untergrund. Merksatz: „Dein Blick entscheidet, ob du Gefahr erkennst – oder hineinfährst.“ 5. Typische Fehler und ihre Folgen Fehlerverhalten Mögliche Folge Später Blick auf Fahrbahnzustand Zu kurze Reaktionszeit, Sturzgefahr Starkes Bremsen auf rutschiger Fläche Wegrutschen, Kontrollverlust Kurvenfahrt über feuchte Markierung Gripverlust, Ausrutschen in Schräglage Zu viel Schräglage bei Split oder Laub Abrutschen der Reifen, Sturz Panikreaktion beim Erkennen eines Hindernisses Verreißen des Lenkers, Sturz, Ausweichen in Gefahr Quelle: freepik.com Lernzielkontrolle – Thema: Fahrbahn lesen 1. Welche der folgenden Fahrbahnmerkmale sind bei Nässe besonders rutschig?   (Mehrfachauswahl möglich) ☐ a) Fahrbahnmarkierungen ☐ b) Trockener Asphalt ☐ c) Bitumenstreifen ☐ d) Schotterflächen 2. Du fährst bei leichtem Regen nach langer Trockenzeit. Was ist besonders zu beachten? ☐ a) Die Straße hat besonders guten Grip ☐ b) Staub und Ölreste bilden einen rutschigen Film ☐ c) Du kannst wie gewohnt beschleunigen ☐ d) Kurven können mit erhöhter Schräglage durchfahren werden 3. Richtig oder falsch? „Wenn die Fahrbahn glänzt, ist das immer ein Zeichen für besonders guten Grip.“ ☐ Richtig   ☐ Falsch 4. Was ist die richtige Reaktion, wenn du während der Fahrt eine Splittspur erkennst? ☐ a) Fest bremsen ☐ b) Ausweichen mit viel Schräglage ☐ c) Geradeaus durchfahren, Geschwindigkeit angepasst ☐ d) Gas geben, um schnell durchzukommen Zweiradspezifische Verkehrszeichen 4.2 Zweiradspezifische Verkehrszeichen Wer Motorrad fährt, muss die Verkehrsregeln nicht nur kennen, sondern  anders interpretieren als Autofahrer . Denn es gibt Verkehrszeichen, die sich direkt auf motorisierte Zweiräder beziehen oder deren Bedeutung für Motorradfahrer besonders kritisch ist. Ein Schild, das für Autofahrer eine Randnotiz ist, kann für Motorradfahrer zur Überlebensfrage werden: z. B. bei Seitenwind, Splitt oder Rutschgefahr. Und auch Durchfahrtsverbote oder Einschränkungen gelten nicht pauschal – manchmal nur für „Krafträder“, manchmal für bestimmte Klassen. Zweiradspezifische Verkehrszeichen 1. Verbot für Krafträder Zeichen 255 – Verbot für Krafträder (auch mit Beiwagen, Mofas & Mopeds) Bedeutung: Alle Krafträder (auch Roller, Leichtkrafträder, Mopeds und Motorräder mit Beiwagen) dürfen hier  nicht  einfahren. Einsatzort:  Wohngebiete, Naturschutzbereiche, Streckensperrungen wegen Lärm oder Unfällen. 2. Zusatzzeichen: „Krafträder frei“ Zeichen 1022-11 – Krafträder auch mit Beiwagen, Kleinkrafträder und Mofas frei Bedeutung: Krafträder dürfen trotz Hauptverbot (z. B. Zeichen 250: „Verbot für Fahrzeuge aller Art“) die Straße benutzen. 3. Warnung vor Seitenwind Zeichen 117 – Seitenwind von rechts Bedeutung: Starke Windböen möglich – vor allem auf Brücken, Küstenstrecken, offenen Feldern. Motorräder sind besonders gefährdet. 4. Warnung vor Schleudergefahr Zeichen 114 – Schleudergefahr bei Nässe oder Verunreinigungen Bedeutung: Gefahr durch rutschige Fahrbahn, etwa durch Öl, Laub, Bitumen oder Regen. Motorradfahrer müssen besonders vorsichtig sein. 5. Zusatzzeichen: Straßenschäden Zeichen 1010-101 – „Straßenschäden“ (oft als Zusatzschild unter Warnzeichen) Bedeutung: Unregelmäßiger Straßenbelag, Schlaglöcher, Aufbrüche. Motorräder können bei falscher Linienwahl schnell instabil werden. Ergänzend wichtige, allgemeine Zeichen mit Bedeutung für Motorradfahrer: 6. Verbot für Fahrzeuge aller Art Zeichen 250 → Gilt grundsätzlich für alle Fahrzeuge –  außer  es ist ein Zusatzschild wie „Krafträder frei“ angebracht. 7. Verkehrsberuhigter Bereich Zeichen 325.1 → Hier dürfen Motorräder  nur Schrittgeschwindigkeit fahren . Besonders wichtig bei Lärm- oder Belästigungsbeschwerden. 1. Gefahrzeichen Bild Offizielle Bezeichnung Bedeutung Gefahrstelle  (Z 101) Achtung, hier kann eine nicht näher bezeichnete Gefahr auftreten (z. B. Baustelle, schlechte Fahrbahn). Kurve (links)  (Z 103-10) Gefährliche Linkskurve – Geschwindigkeit reduzieren, Schräglage anpassen. Doppelkurve (links beginnend)  (Z 105-10) Mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Kurven, erste nach links. Gefälle  (Z 108) Starke Neigung abwärts – rechtzeitig bremsen, geeigneten Gang wählen. Steigung  (Z 110) Starke Neigung aufwärts – rechtzeitig runterschalten, Leistung bereithalten. Schleudergefahr  (Z 114) Rutschige Fahrbahn, z. B. bei Nässe, Schotter oder Laub. Splitt oder Schotter  (Z 101-52) Gefahr durch lose Fahrbahnbelagsteile, besonders gefährlich in Kurven. Wildwechsel  (Z 142) Wildtiere können plötzlich die Fahrbahn kreuzen – besonders in Dämmerung. 2. Verbotszeichen Bild Offizielle Bezeichnung Bedeutung Überholverbot für Kfz aller Art  (Z 276) Kein Überholen von mehrspurigen Kfz und Motorrädern mit Beiwagen. Überholverbot für Kfz über 3,5 t  (Z 277) Lkw über 3,5 t dürfen keine mehrspurigen Kfz und Motorräder mit Beiwagen überholen. Einfahrt verboten  (Z 267) Straße darf in dieser Richtung nicht befahren werden. Verbot für Krafträder  (Z 255) Motorrad- und Mopedfahrverbot – z. B. aus Lärmschutzgründen. Zulässige Höchstgeschwindigkeit  (Z 274) Maximal angegebene Geschwindigkeit gilt – auch für Motorräder. 3. Gebotszeichen Bild Offizielle Bezeichnung Bedeutung Vorgeschriebene Fahrtrichtung – rechts  (Z 209-20) An dieser Stelle darf nur nach rechts gefahren werden. Vorgeschriebene Fahrtrichtung – geradeaus  (Z 209-30) Nur geradeaus weiterfahren erlaubt. Vorgeschriebene Fahrtrichtung – rechts oder links  (Z 214-30) Geradeausfahren ist verboten – nur rechts oder links abbiegen erlaubt. Fahren unter erschwerten Bedingungen 4.3 Fahren unter erschwerten Bedingungen Motorradfahren erfordert stets Aufmerksamkeit und Feingefühl – doch bei schlechten Sichtverhältnissen, widriger Witterung oder ungewohnten Straßenverhältnissen wird es  besonders anspruchsvoll . Anders als Autofahrer haben Motorradfahrer  keinen Wetterschutz, kein ESP, keinen doppelten Grip durch vier Räder . Deshalb ist es für Zweiradfahrer überlebenswichtig, ihr Fahrverhalten  der Umgebung und den aktuellen Bedingungen anzupassen . Wer das nicht tut, riskiert nicht nur einen Kontrollverlust, sondern auch schwerwiegende Unfälle. Quelle: freepik.com 1. Was bedeutet „erschwerte Bedingungen“? Erschwerte Bedingungen sind alle äußeren Einflüsse, die das sichere Führen eines Motorrads beeinträchtigen oder besondere Anpassungen erforderlich machen. Dazu zählen z. B.: Witterung: Regen, Nebel, Schnee, Eis, Hitze, Wind Fahrbahnbeschaffenheit: Splitt, Laub, Öl, Baustellen, Schlaglöcher Sichtverhältnisse: Dunkelheit, Blendung durch Sonne oder Scheinwerfer Verkehrsdichte: Stau, dichter Stadtverkehr, aggressive Verkehrsteilnehmer psychische/physische Belastungen: Müdigkeit, Stress, Ablenkung Quelle: freepik.com 2. Konkrete Bedingungen und deren Auswirkungen a) Regen und nasse Fahrbahn Risiken: Verringerter Reibwert → längerer Bremsweg Aquaplaninggefahr (z. B. in Spurrillen) Rutschige Oberflächen (Markierungen, Bitumen, Kanaldeckel) Verhalten: Tempo reduzieren, Sicherheitsabstände vergrößern Sanft bremsen, keine abrupten Lenkmanöver Fahrbahn möglichst „gerade“ durchfahren – keine Schräglage auf rutschigem Belag Quelle: freepik.com b) Nebel und schlechte Sicht Risiken: Zu späte Wahrnehmung von Hindernissen oder Kurven Übersehen werden von anderen Verkehrsteilnehmern Schwierigkeiten bei der Orientierung Verhalten: Sichtgeschwindigkeit: nur so schnell fahren, wie du sehen kannst Licht einschalten, ggf. Abblendlicht oder Nebelscheinwerfer Blickführung weit vorausrichten – Scheiben/Visier sauber halten Quelle: freepik.com c) Wind (Seitenwind, Böen) Risiken: Motorrad kann versetzt oder instabil werden Besonders gefährlich bei Brücken, Lkw-Begegnungen oder Waldschneisen Verhalten: Lockerer, aber kontrollierter Griff am Lenker Gegenhalten, aber nicht verkrampfen Geschwindigkeit verringern, Abstand zu anderen Fahrzeugen vergrößern Quelle: freepik.com d) Hitze Risiken: Konzentrationsverlust, Kreislaufprobleme Reifenüberhitzung bei falschem Druck Erhöhte Blendwirkung durch gleißendes Licht Verhalten: Pausen machen, ausreichend trinken Hitzefeste Schutzkleidung mit Belüftung nutzen Sonnenbrille oder getöntes Visier bei Bedarf Quelle: freepik.com e) Dunkelheit / Nachtfahrten Risiken: Geringere Sichtweite und schlechtere Wahrnehmung von Entfernungen Blendung durch Gegenverkehr Tiere auf der Fahrbahn (z. B. Wildwechsel) Verhalten: Abblendlicht korrekt einstellen Geschwindigkeit reduzieren Blick nicht in die Scheinwerfer anderer richten Vorausschauend fahren, besonders in ländlichen Gebieten Quelle: freepik.com 3. Allgemeine Verhaltensregeln bei erschwerten Bedingungen Vorausschauend fahren:  keine Überraschungen provozieren Fahrweise anpassen:  langsamer, weicher, überlegter Abstand vergrößern:  mehr Platz = mehr Reaktionszeit Körperhaltung bewusst einsetzen:  z. B. bei Wind oder nasser Fahrbahn Technik prüfen:  Reifen, Licht, Sicht, Bremsen – alles muss funktionieren Eigene Fitness hinterfragen:  bist du fit genug für die aktuelle Belastung? 4. Merksätze zur Wiederholung „Erschwerte Bedingungen fordern keine Helden – sondern Hirn.“ „Wenn du nichts siehst, solltest du auch nichts riskieren.“ „Sicherheit beginnt im Kopf – nicht am Gasgriff.“ „Halber Grip? Dann nur halbe Schräglage.“ „Wenn die Straße anders aussieht, musst du auch anders fahren.“ Fahren bei Dämmerung und Dunkelheit 4.4 Fahren bei Dämmerung und Dunkelheit Sobald das Licht schwindet, steigt das Risiko für Motorradfahrer. Die Sicht wird schlechter, die Wahrnehmung von Entfernungen schwieriger, Tiere und andere unbeleuchtete Hindernisse treten häufiger auf – und viele Autofahrer unterschätzen, wie schwer Motorräder bei Dunkelheit zu erkennen sind. Für dich als Fahrer heißt das:  Du musst doppelt wachsam sein – für dich selbst und für andere, die dich vielleicht nicht sehen.  Gute Sicht, gute Sichtbarkeit und angepasste Fahrweise sind jetzt entscheidend. Quelle: freepik.com 1. Gefahren bei Dämmerung und Dunkelheit Gefahrensituation Beschreibung / Auswirkung Geringe Sichtweite Kurvenverlauf, Hindernisse oder Tiere werden zu spät erkannt Blendung durch Scheinwerfer Verlust der Orientierung und Sicht für Sekunden Unzureichende Eigenbeleuchtung Du wirst selbst zu spät gesehen – Unfallgefahr steigt Falsche Geschwindigkeit Zu schnelles Fahren trotz eingeschränkter Sicht Feuchte und kühle Fahrbahn Glättegefahr bei Temperaturabfall, besonders in Senken Wildwechsel Dämmerung = Hauptzeit für Rehe und Wildtiere auf der Straße Quelle: freepik.com 2. Sicht und Sichtbarkeit verbessern a) Eigenes Lichtsystem kontrollieren Abblendlicht:  Funktion, Höhe und Helligkeit regelmäßig prüfen Rücklicht und Bremslicht:  Muss klar sichtbar und funktionsfähig sein Reflektoren:  Pflicht an Helm, Kleidung, ggf. am Fahrzeugheck Quelle: freepik.com b) Bekleidung & Ausrüstung Reflektierende Kleidung oder Warnweste Helm mit klarer, sauberer Visierfläche Keine getönten Visiere bei Nacht! Quelle: freepik.com c) Fahrzeugpflege Scheinwerfer und Rückleuchten sauber halten Licht regelmäßig auf Funktion prüfen – besonders vor Fahrtantritt bei Dunkelheit 3. Anpassung des Fahrverhaltens Verhalten Warum es wichtig ist Sichtgeschwindigkeit fahren Nur so schnell, wie man innerhalb des Lichtkegels sieht Abstand vergrößern Reaktionszeit verlängert sich bei schlechter Sicht Auf Wildwechsel achten Besonders zwischen 17–22 Uhr – Warnschilder beachten Nicht in Scheinwerfer schauen Blick leicht nach rechts auf Fahrbahnbegrenzung lenken Frühzeitig erkennen, blinken, bremsen Für andere sichtbar und berechenbar bleiben Quelle: freepik.com 4. Spezielle Hinweise zur Dämmerung In der  Übergangszeit von Tag zu Nacht  passt sich das Auge nur langsam an – es entsteht eine Phase „optischer Unsicherheit“. Besonders riskant: Gegenlicht bei untergehender Sonne Schattenbereiche, die tiefer wirken als sie sind Blendung durch Spiegelungen (nasse Fahrbahn) Quelle: freepik.com Autobahn und Kraftfahrstraße 4.5 Autobahn und Kraftfahrstraße Wer das erste Mal mit dem Motorrad auf einer Autobahn oder Kraftfahrstraße unterwegs ist, merkt schnell:  Hohe Geschwindigkeiten, Winddruck, viele Fahrstreifen und wenig Spielraum für Fehler  – das ist eine andere Welt als Stadt oder Landstraße. Für Motorradfahrer bedeutet das:  Konzentration, Rücksicht und vorausschauendes Fahren sind entscheidend.  Während Autofahrer durch Knautschzonen und elektronische Helfer geschützt sind, bleibt der Motorradfahrer bei 130 km/h im Wind – mit voller Verantwortung für sich und andere. Quelle: freepik.com 1. Unterschiede: Autobahn vs. Kraftfahrstraße Merkmal Autobahn Kraftfahrstraße Verkehrszeichen Mindestgeschwindigkeit Fahrzeug muss bauartbedingt mind. 60 km/h fahren können (nicht fahren!)   Fahrstreifen In der Regel mehrere Oft nur 1 je Richtung Ein- & Ausfahrten Nur an Anschlussstellen Manchmal auch durch einfache Abzweigungen Sonderregelungen Keine Fußgänger, Radfahrer, landwirtschaftliche Fahrzeuge erlaubt   Raststätten, Notrufsäulen Vorhanden Selten oder nicht vorhanden 2. Wichtige Verkehrszeichen Zeichen 330.1 – Beginn einer Autobahn:   Zeichen 331.1 – Beginn einer Kraftfahrstraße:   Zeichen 274 – Geschwindigkeitsbegrenzung (z. B. 130 km/h): Muss auch für Motorräder eingehalten werden – kein Freifahrtschein! Zeichen 295 – Fahrstreifenbegrenzung: Nicht überfahren – auch nicht beim Überholen! 3. Verkehrsregeln für Motorradfahrer Zufahrt nur erlaubt , wenn das Fahrzeug über  60 km/h bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit  verfügt → Gilt auch für Roller, Leichtkrafträder & Trikes Rechtsfahrgebot beachten:  Auch bei wenig Verkehr nicht dauerhaft links fahren Überholen nur links , Schulterblick nicht vergessen – Winddruck bei hoher Geschwindigkeit beachten Rettungsgasse freihalten:  Ab 2 Spuren in eine Richtung verpflichtend bei Stau Verhalten bei Panne oder Unfall: Motorrad auf Standstreifen abstellen Warnblinkanlage (falls vorhanden) einschalten Nicht  auf der Fahrbahn herumlaufen Sofort über Notrufsäule oder Handy Hilfe rufen 4. Gefahren auf Autobahn und Kraftfahrstraße Gefahr Beschreibung / Auswirkung Seitenwind bei hoher Geschwindigkeit Motorrad kann versetzt werden, insbesondere bei Brücken Toter Winkel beim Überholen Lkw übersehen Motorräder leicht – nicht zu lange nebenher fahren Hoher Winddruck auf Helm und Kleidung Konzentration und Körperhaltung werden beeinflusst Monotonie, Übermüdung Lange Strecken führen zu Konzentrationsverlust Auffahrunfälle bei Stauende Gefährlich – Motorradfahrer werden schnell übersehen Aggressiver Fahrstil anderer Verkehrsteilnehmer Sicherheitsabstand und Übersicht notwendig 5. Verhaltenstipps für Motorradfahrer Sicher einfädeln:  Beschleunigungsstreifen nutzen, um auf Autobahngeschwindigkeit zu kommen Winddruck ausgleichen:  Aufrechter Oberkörper, fester Knieschluss Nicht zu dicht auffahren:  Immer mehr Abstand als im Stadtverkehr Blickführung:  Weit vorausschauen, nicht zu sehr auf Fahrbahn fixieren Nur an geeigneten Stellen anhalten:  Pannenbucht, Parkplatz – nie auf dem Seitenstreifen ohne Not Bei starker Windlast oder Regen:  Tempo reduzieren, Spur stabil halten, ggf. Pause einlegen Verhalten nach Unfällen 4.6 Verhalten nach Unfällen Ein Moment der Unachtsamkeit, ein rutschiger Belag, ein unaufmerksamer Autofahrer – und schon liegt ein Motorradfahrer auf der Straße. In solchen Momenten ist schnelles, ruhiges und richtiges Handeln entscheidend. Denn  wie du dich nach einem Unfall verhältst, kann Leben retten – auch dein eigenes. Motorradfahrer sind besonders verletzungsgefährdet. Wer zuerst am Unfallort ist oder selbst beteiligt ist, muss nicht nur helfen, sondern auch  rechtlich korrekt  handeln. Die wichtigsten Regeln dafür lernst du jetzt. Quelle: freepik.com 1. Grundsatz: Hilfe leisten ist Pflicht! In Deutschland bist du  gesetzlich verpflichtet , bei einem Unfall zu helfen (§ 323c StGB – unterlassene Hilfeleistung). Das bedeutet: Du musst helfen,  wenn es dir gefahrlos möglich ist . Auch als Unfallbeteiligter darfst du nicht einfach weiterfahren. Unterlassene Hilfeleistung ist eine  Straftat . 2. Richtiger Ablauf nach einem Unfall a) Absichern der Unfallstelle Warnblinklicht einschalten (wenn vorhanden) Motorrad abstellen (ggf. Seitenständer nutzen) Warnweste anziehen Warndreieck aufstellen: Innerorts: ca.  50 m Abstand Außerorts: ca.  100 m , auf Autobahn mind.  150 m Quelle: freepik.com b) Unfallstelle überblicken Wer ist beteiligt? Besteht Lebensgefahr? Brennt etwas? Auslaufende Flüssigkeiten? Quelle: freepik.com c) Notruf absetzen – 112 Folgende Informationen nennen: Wo  ist der Unfall? Was  ist passiert? Wie viele  Verletzte? Welche Art  von Verletzungen? Warten  auf Rückfragen! Quelle: freepik.com d) Erste Hilfe leisten Eigene Sicherheit geht  immer vor Helm nur abnehmen, wenn Person bewusstlos ist und nicht atmet Stabile Seitenlage ,  Wundversorgung , ggf.  Herz-Lungen-Wiederbelebung Quelle: freepik.com e) Eigensicherung Auch als Helfer immer auf Verkehr achten Niemals sich selbst gefährden Motorrad auf Seitenstreifen bringen, Zündschlüssel abziehen 3. Verhalten als Beteiligter Anhalten  ist Pflicht (§ 34 StVO) Unverzüglich Unfall melden , auch bei Sachschaden Personalien angeben Keinen Alkohol trinken  – auch nicht „danach“ Unfallskizze anfertigen, Zeugen notieren, Fotos machen (falls möglich) 4. Besonderheiten bei Motorradunfällen Situation Verhalten / Hinweis Motorradfahrer liegt auf der Straße Nur bei Gefahr bewegen! Evtl. mit 2. Person stabilisieren Helmabnahme bei Bewusstlosigkeit Nur bei Atemstillstand – sonst Helm belassen! Motorrad liegt auf der Seite Zündung aus, Benzinhahn schließen (falls vorhanden) Sturz ohne andere Beteiligte (Alleinunfall) Trotzdem Hilfe holen – evtl. innere Verletzungen Überholen 4.7 Überholen Das Überholen gehört zu den anspruchsvollsten und gefährlichsten Fahrmanövern im Straßenverkehr – besonders für Motorradfahrer. Während Autos mit ihren vier Rädern Stabilität und Knautschzone bieten, muss ein Motorradfahrer  mit Präzision, Übersicht und Verantwortung  handeln. Fehleinschätzungen bei Geschwindigkeit, Abstand oder Verkehrslage führen beim Überholen oft zu  schweren oder tödlichen Unfällen . Deshalb gilt: Überholen ist kein „Recht“, sondern eine  bewusste Entscheidung unter klaren Voraussetzungen . 1. Wann darf überholt werden? Überholen ist nur erlaubt, wenn: ✅ der Verkehr  nicht gefährdet  wird ✅  ausreichend Sicht und Platz  vorhanden sind ✅  keine Verkehrszeichen oder Fahrbahnmarkierungen  das Überholen verbieten ✅  keine unklare Verkehrslage  besteht (z. B. bei schlecht einsehbaren Kurven, Stau, Gegenverkehr) ✅ der  Überholweg innerhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit  sicher durchführbar ist 2. Grundregeln beim Überholen 1. Überholbereitschaft prüfen: Verkehrsraum überblicken Tempounterschied reicht aus? Kommt Gegenverkehr? 2. Schulterblick und Blinker setzen: Rückspiegel – Schulterblick – Blinken Mindestens 1 Sekunde vor Ausscheren anzeigen 3. Sicherheitsabstand einhalten: Seitlich zu anderen Fahrzeugen mind.  1,5 m innerorts ,  2 m außerorts zu Fahrrädern/Pkw Zu Lkw oder Bussen:   mind. 2 Meter 4. Zügig, aber nicht hastig überholen: Nicht provozieren oder drängeln Nicht zu lange neben dem Fahrzeug bleiben (toter Winkel!) 5. Rechts einscheren mit ausreichendem Abstand: Erst einscheren, wenn der  überholte Fahrer vollständig im Rückspiegel zu sehen ist 3. Verbotene Überholsituationen (Beispiele) 🚫  Bei Überholverbotsschildern (Zeichen 276 / 277) 🚫  In unübersichtlichen Kurven oder hinter Kuppen 🚫  An Fußgängerüberwegen oder Bahnübergängen 🚫  Bei durchgezogener Linie ohne Unterbrechung 🚫  Wenn Gegenverkehr den Überholvorgang unsicher machen könnte 4. Spezielle Risiken für Motorradfahrer Risiko Erklärung / Folgen Toter Winkel bei Lkw Motorrad wird leicht übersehen – Lebensgefahr Seitenwind beim Ausscheren Besonders bei hohen Geschwindigkeiten & Brücken Luftverwirbelungen beim Überholen Instabilität, besonders bei Anhängern oder Bussen Schräglage beim Überholen in Kurven Erhöhtes Sturzrisiko – daher  verboten! Fehleinschätzung der Geschwindigkeit anderer Motorrad wirkt kleiner → wird leicht unterschätzt 5. Überholen im Stau oder zähfließenden Verkehr Grundregel:  Überholen ist  nur zulässig , wenn keine Verkehrsregeln verletzt werden! 🔸 Das  Durchfahren einer Rettungsgasse  ist  verboten! 🔸  Zwischen den Fahrstreifen  darf  nicht einfach durchgefahren werden 🔸  Vorsicht bei Spurwechseln anderer : Motorradfahrer werden leicht übersehen