Motorrad mit Beiwagen 3.5 Motorrad mit Beiwagen Motorräder mit Beiwagen sind heutzutage selten geworden, aber gerade im historischen oder ländlichen Bereich tauchen sie noch auf – etwa bei Oldtimertreffen, in Fahrschulen oder bei speziellen Einsätzen. Die Fahrphysik eines Motorrads mit Beiwagen unterscheidet sich jedoch deutlich vom klassischen Solobetrieb. Quelle: freepik.com Das Fahren mit einem Gespann erfordert spezielle Kenntnisse: Die Gewichtsverteilung ist ungleichmäßig, Kurvenverhalten und Bremsverhalten ändern sich drastisch. Wer glaubt, man könne mit einem Beiwagen fahren wie mit einem normalen Motorrad, riskiert die Kontrolle zu verlieren. 1. Rechtliche Bestimmungen Mit einem Führerschein der Klasse A darfst du Motorräder mit Beiwagen fahren. In Deutschland ist der Beiwagen  immer rechts  montiert (in Ländern mit Linksverkehr entsprechend links). Der Beiwagen muss mit bestimmten Beleuchtungseinrichtungen ausgerüstet sein: Begrenzungsleuchte Blinker Zusätzlich erlaubt: Bremsleuchte Die Kombination aus Motorrad und Beiwagen muss technisch zugelassen sein. In den meisten Fällen ist eine  Einzelabnahme  durch eine Prüfstelle notwendig. Erst nach dieser erhält das Fahrzeug eine gültige  Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) . Quelle: wikipedia.org 2. Fahrphysikalische Unterschiede zum Solobetrieb Ein Gespann ist kein Motorrad und kein Auto – es fährt sich völlig eigenständig. Die Gewichtsverteilung ist asymmetrisch, der Schwerpunkt verschiebt sich deutlich zur Seite, und es fehlt die Möglichkeit, das Fahrzeug durch Schräglage zu stabilisieren. a) Anfahren Beim Anfahren zieht das angetriebene Hinterrad das Motorrad nach vorn, während der Beiwagen als „träge Masse“ zurückbleibt. Dadurch neigt das Gespann zum  Rechtsdrall  beim Beschleunigen. b) Bremsen Beim Bremsen verzögert das Motorrad aktiv, der Beiwagen läuft jedoch aufgrund seiner Trägheit  weiter . Folge: Das Gespann wird nach  links geschoben , wenn der Beiwagen ungebremst ist. Du musst mit dem Lenker  gegenlenken , um die Spur zu halten. c) Kurvenverhalten In Rechtskurven: Gefahr, dass der Beiwagen durch Fliehkräfte  abhebt . → Sofort Gas wegnehmen, ggf. leicht bremsen, Körpergewicht nach rechts verlagern. In Linkskurven: Der Beiwagen drückt das Gespann von außen, das Motorrad muss regelrecht um den Beiwagen „herumziehen“. Wichtig : Beim Gespann wird  nicht in Schräglage  gefahren, sondern mit aktivem Lenken – ähnlich wie beim Auto. Quelle: wikipedia.org 3. Fahrverhalten und Technik-Tipps Situation Besonderheit Verhalten / Lösung Geradeausbeschleunigung Zug nach rechts durch Masseträgheit des Beiwagens Gegenhalten, ruhig beschleunigen Bremsen Beiwagen schiebt nach links Bremsverhalten anpassen, gegenlenken Rechtskurve Beiwagen kann abheben Tempo reduzieren, ggf. bremsen, Gewicht verlagern Linkskurve Motorrad „zieht“ Beiwagen mit Möglichst flüssig, ohne ruckartige Lenkbewegung Beladung Ungleichgewicht möglich Beiwagen nicht einseitig überladen 4. Hinweise zur Praxis Das Fahren mit Beiwagen sollte idealerweise  zunächst auf einem Verkehrsübungsplatz  oder in verkehrsarmen Bereichen geübt werden. Bei einem  ungebremsten Beiwagen  ist das Verhalten besonders anspruchsvoll – viele moderne Gespanne verfügen über Beiwagenbremsen. Nicht jedes Motorrad ist für den Beiwagenbetrieb geeignet  – oft sind Umbauten und technische Verstärkungen notwendig. In der Fahrprüfung ist Beiwagenfahren  nicht vorgesehen , aber du solltest die Grundlagen dennoch beherrschen – auch für spätere Spezialanwendungen. 5. Beifahrer im Beiwagen Ein Sozius wird in der Regel  im Beiwagen  mitgenommen – das verbessert die Fahrstabilität. In Ausnahmefällen können zwei Personen mitfahren: eine im Beiwagen, eine auf dem Soziussitz. Achte auf die Gesamtmasse und gleichmäßige Gewichtsverteilung. Quelle: freepik.com